Grundfutterergebnisse 2020 - Stand 04.11.2020

1. Schnitt
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFADFZucker gMJ NEL
2017361991492104212461126,52
201835196180234466279746,30
2019359951562144182501076,47
2020377901462234402551146,40
Ein besonderes Kennzeichen der Grassilagen vom ersten Schnitt 2020 sind die hohen Zuckergehalte von durchschnittlich 114 g/kg TM. Der Zucker wird tagsüber in den Blättern gebildet und nachts in Gerüstsubstanzen umgewandelt. Die Zuckerbildung war aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung sehr hoch. In den kalten Nächten mit Durchschnittstemperaturen von 5 Grad Celsius und darunter wurde jedoch kaum Zucker in Gerüstsubstanzen (Cellulose, Lignin) umgewandelt. Dies sorgte für eine starke Anreicherung des Zuckers in der Pflanze.

Die gute Witterung zur Ernte begünstigt auch den niedrigen Rohaschegehalt von 90 g. Erfreulich ist der gute Energiewert im Futter. Niedrige Rohasche- und ADF-Werte mit zugleich hohen Zuckergehalten begünstigen den Energiewert.

Auffallend sind die niedrigen Rohproteinwerte in unseren Proben. Hier sind Schwankungen von 85 g bis 199 g zu sehen. Fast die Hälfte der Proben (42 %) liegt unter 140 g RP. Auch 31 % der Proben weisen einen negativen RNB-Wert auf.

Bei den Strukturwerten liegen wir heuer wieder sehr gut. Das besagt, dass die Silagen die im Zeitraum 5. bis 10. Mai geerntet wurden, eine optimale Silierreife hatten.

Konsequenzen für Silo und Fütterung?
Die guten Energiegehalte sind sehr erfreulich. Jedoch muss aufgrund der hohen Zuckergehalte auf eine vollständige Silierung und genügend Vorschub geachtet werden. Die Silage muss daher mindestens 6 - 8 Wochen geschlossen bleiben. Aufgrund der erhöhten Gefahr von Nacherwärmung und Schimmelbildung beim Öffnen der Silos ist ein Vorschub von mindestens 2,5 m pro Woche im Sommer notwendig.

In der Rationsgestaltung gilt es heuer die hohen Zuckergehalte zu berücksichtigen. Eine Anpassung der Kraftfutterzusammensetzung, sowohl in Hinblick auf die Eiweißergänzung, als auch auf die Kohlenhydratzusammensetzung ist sehr wichtig (mehr langsam verfügbare Stärke einsetzen, d.h. Getreide raus, dafür mehr Körnermais und Trockenschnitzel in die Mischung). Als Eiweißergänzung würde 1 bis 2 kg Rapsschrot (je nach Grundfutterqualität) gut passen. Der 1. Schnitt wäre ein guter Mischpartner zum 4. oder 5. Schnitt.

2. Schnitt
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFADFZucker gMJ NEL
2017374113162237459287686,23
2018368100168250492300635,96
2019365102160245461290706,00
2020375100147240461278916,07
Der Hauptschnittzeitpunkt lag heuer zwischen dem 2. und 4. Juni. Dies bedeutet, dass bereits wieder nach ca. 30 bis 32 Tagen geerntet wurde. Wegen der trockenen Ernteverhältnisse wurde relativ sauber geerntet. Der Rohproteingehalt liegt mit 14,7 % immer noch unter den Werten der Vorjahre. Erfreulich gut sind für den 2. Schnitt die Strukturwerte von NDF und ADF. Durch die guten Wachstumsbedingungen Ende Mai bis Mitte Juni wurde der Aufwuchs nicht zu schnell alt. Der Energiegehalt mit 6,07 MJ NEL ist im Vergleich zu den Vorjahren (2018 u. 2019) etwas besser.
3. Schnitt
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFADFZucker gMJ NEL
2017391118172235460292636,05
2018414106171236476287796,00
2019390103168242462289775,80
2020385103154248475292755,87
Die Rohproteinwerte steigen auch zum 3. Schnitt mit 154 g nur gering an. Der Energiegehalt ist mit 5,87 MJ NEL ebenfalls noch niedrig. Der Richtwert von NDF und ADF mit <450 und <270 ist auch heuer wieder überschritten. Diese Werte sollten bei der Rationszusammenstellung mit dem Futterberater unbedingt beachtet werden.
4. Schnitt
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFADFZucker gMJ NEL
2017379122183231460287456,03
2018374117188227470278525,96
2019370121187231446281545,77
2020381105169239474288545,94
Beim 4. Schnitt steigen die Rohproteinwerte auf fast 17 % an. Der Energiewert ist bei 5,94 MJ NEL auch wieder besser. Auffallend hoch ist der Trockenmassegehalt der Silagen. 36 % aller Proben haben einen Wert über 40 % TS. Schimmelbildung und Nacherwärmung sind hier sehr häufig der Fall. Dieser Schnitt wäre ein guter Mischpartner zum 1. oder 2. Schnitt.
5. Schnitt
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFADFZucker gMJ NEL
2017325126183217430271366,11
2018370131216206440249436,11
2019354127199217415265475,97
2020392111190224463279416,03
Bei diesem Herbstschnitt ist der Rohproteingehalt wieder auf 190 g angestiegen. Auch die Energie ist mit 6,03 MJ NEL wieder gut. Ähnlich wie beim 3. Schnitt ist auch hier der hohe Trockenmassegehalt zu sehen.
Silomais
JahrTMasse gRAsche gRProtein gRFaser gNDFStärke gMJ NEL
201736234791933953126,91
201837037802194173106,63
201935835781994023386,73
202033931691993943306,63
Heuer hatte der Silomais das ganze Jahr über gute Wachstumsbedingungen. Auch die Bestände, die nach Kleegras gesät wurden, konnten noch gute Erträge bringen. Der ideale Erntezeitpunkt war somit erst Anfang Oktober gegeben. Der TS Gehalt von knapp 35 % ist optimal, um stabile Silagen zu bekommen. Die Werte bei den untersuchten Proben konnten das Niveau der Vorjahre erreichen. Allein der Rohproteingehalt blieb deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Eine Fütterungsberatung mit einer optimalen Rationsgestaltung ist auch heuer wieder eine gut eingesetzte Investition in die Tiergesundheit. Die starken Schwankungen bei den Proben in den einzelnen Spalten wie Rohprotein oder Zucker sind ein guter Hinweis, dass nur eine eigene Untersuchung genaue Werte liefern kann. Die Durchschnittswerte aus der Futterwerttabelle können nur Hilfsmittel sein.

Ansprechpartner

Josef Schmalzbauer
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Fachzentrum Rinderhaltung