Dem Boden Gutes tun
Seenschutzmaßnahme Zwischenfruchtanbau

50 Landwirte aus der Umgebung des Waginger- und Tachinger Sees kamen im Oktober 2016 zum Thema "Wirksamer Boden- und Gewässerschutz durch Zwischenfruchtanbau" nach Gaden. Die Seenberater des Landwirtschaftsamtes hatten zum Versuchsfeld von Sebastian Lechner eingeladen. Die Praktiker bekamen Informationen über die Vorzüge und Wirkungen unterschiedlicher Saatgutmischungen für den Zwischenfruchtanbau und den Seenschutz.

Rolf Oehler, Bereichsleiter Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), wies nicht nur auf den Wert der Zwischenfrüchte für eine hohe Bodenfruchtbarkeit hin, sondern betonte den Nährstoffrückhalteeffekt für die Reinhaltung der Seen. Er wies auch auf die Nahrungsquelle für Insekten oder Wild hin, das hier im Winter einen Einstand findet. Nicht zuletzt sollten sich die Landwirte immer der positiven Außenwirkung bewusst sein, die mit dem Bild eines vielfältigen Ackers verknüpft seien – für Imker, Jäger und die Bevölkerung.
Regenwürmer Indikator für Bodenfruchtbarkeit
Den fachlichen Teil übernahm Pflanzenbauberater Max Stadler vom Fachzentrum Agrarökologie am AELF Pfaffenhofen. Stadler zeigte das Zusammenspiel von Fruchtfolge, Düngung und Zwischenfruchtanbau mit Wirkung auf Umwelt, Wasser und vor allem die Tätigkeit der Regenwürmer als Indikator für eine hohe Bodenfruchtbarkeit auf.
Ziel des Einsatzes von Pflanzen mit Namen wie Ramtillkraut, Bienenfreund oder Abessinischer Senf ist es, den Boden vor Nährstoffverlusten durch Auswaschung oder Erosion zu schützen. Aber auch andere Pflanzen wie Sonnenblumen, Klee oder Buchweizen helfen beim Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Reinhaltung unserer Seen.
"Der Zwischenfruchtanbau bietet dem Landwirt ein zusätzliches Instrument, auf unterschiedliche Witterungs- und Nährstoffverhältnisse im Boden zu reagieren", so Stadler. Im Spätsommer werden die Zwischenfrüchte gesät und können so bereits im Herbst Nährstoffe binden. Der gespeicherte Vorrat steht der Folgefrucht des nächsten Jahres zur Verfügung und kann dadurch den Eintrag von Nährstoffen in Grund- oder Oberflächengewässer verhindern.
Mischung von Tief- und Flachwurzlern
Stadler erklärte anschaulich die positive Wirkung eines intensiv durchwurzelten Bodens mit einer Mischung von Tief- und Flachwurzlern. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Humusaufbau, das Bodengefüge und das Wasserhaltevermögen in der Ackerkrume gelegt. So dringen beispielsweise die Wurzeln von Ölrettich und Ackerbohne bis in 50 Zentimeter Tiefe vor und erschließen auch den Unterboden, der bei einer Bearbeitung mit dem Pflug nicht erreicht wird.
Bodenbearbeitung bedeutet Verlust an Bodenleben
Laut Stadler bedeute Bodenbearbeitung "immer Verlust an Bodenleben". Denn Tauwürmer, die "Voraussetzung für den Rest des Bodenlebens", lieben bedeckten, gut durchwurzelten Boden. Sie reagieren empfindlich auf Verdichtung und den damit einhergehenden Sauerstoffentzug in der Erde. Die langen, bis in 1,50 Meter Tiefe reichenden Röhren, die die Würmer anlegen, seien wie ein Drainagesystem und für die Lockerung und Durchlüftung des Bodens von zentraler Bedeutung. Denn nur wo Luft im Boden ist, können auch Wasser und Nährstoffe gespeichert werden.