Die Bergwaldoffensive – heute für den Schutzwald von morgen
Die Bergwaldoffensive am AELF Traunstein

Lattenberg - Kyrill

Foto: Reuter-Grau

Unsere Bergwälder im (Klima-) Wandel

In den Alpen ist die prognostizierte Erwärmung durch den Klimawandel doppelt so hoch wie im Flachland. Folgen sind vermehrte Berg- und Felsstürze, Lawinen, Stürme und Hochwasser sowie zunehmender Schädlingsbefall. Vor allem künstliche Fichtenreinbestände sind labil und müssen daher zügig an den Klimawandel angepasst werden.
Die Bergwaldoffensive (BWO) unterstützt die privaten Waldbesitzer mit gezielten Aktionen in den „Projektgebieten Bergwaldoffensive“ bei den notwendigen Maßnahmen. Waldbauliches Ziel sind stabile Bergmischwälder aus Fichte, Tanne, Buche und Bergahorn.

Meldungen

BWO Projektstelle wieder besetzt
Katharina Aicher ist neue BWO-Managerin in Traunstein

Portraifoto: Katharina Aicher, Projektmanagerin

Katharina Aicher

Seit Januar 2018 kümmert sich Katharina Aicher um die Umsetzung der "Bergwaldoffensive (BWO)". Sie ist zuständig für die Projektgebiete Geröllberg, Grazeneinbruch, Zinken, Maria Gern und Grünstein im Landkreis Berchtesgadener Land. Ihre Aufgabe ist es, den Handlungsbedarf zur langfristigen Sicherung der vielfältigen Funktionen des Bergwaldes zu erfassen, die Waldbesitzer entsprechend zu beraten, Pflanzungen und andere Maßnahmen zum Waldumbau zu organisieren und passende Fördermaßnahmen abzuwickeln. Außerdem organisiert sie Veranstaltungen zur Aufklärung über die Besonderheiten der Bergwälder und deren Gefährdungen.

Klimawandel, mangelnde Pflege und Bewirtschaftung sowie örtlich überhöhte Wildbestände führen in den Bergwäldern oft schleichend zu einer bedenklichen Verschlechterung seiner Vitalität und der für die Talräume oft "lebenswichtigen" Schutzfunktionen. Die BWO steht hier dem Waldbesitzer mit Rat und Tat zur Seite, um den Wald für die Zukunft zu rüsten. 

20.000 Bäume für die Bergwaldoffensive

GruppenfotoZoombild vorhanden

© Helvetia Deutschland

Die Helvetia Versicherung fördert die Bergwaldoffensive mit einer Spende von 20.000 Bäumen. Mit Schulklassen, dem DAV und dem Internationale Jugendworkcamp werden die gestifteten Bäumchen in den nächsten Jahren in den Gemeinden Berchtesgaden und Ramsau gepflanzt.

Naturschutz bei der Bergwaldoffensive - Hilfe für das Auerwild

Personen vor BergkulisseZoombild vorhanden

© Veronika Mergenthal

2015 enthüllten die damalige Umweltministerin Scharf und Landrat Grabner Infotafeln im BWO-Projektgebiet Gröllberg (Ramsau). Die Tafeln befassen sich mit dem störungsempfindlichen Auerwild, das am Gröllberg noch zahlreich vorkommt. Damit das auch so bleibt, wird mit einem Paket verschiedener Maßnahmen der Lebensraum des Auerwildes erhalten und verbessert. So sichert ein Besucherlenkungskonzept dem Auerhuhn seine Rückzugsräume und Pflanzungen von Tanne und Kiefer verbessern die Lebensraumqualität. Möglich ist das durch eine kooperative Zusammenarbeit von Politik, Tourismus, Waldbesitz und Jagd.

Das Projekt

Das Projektgebiet ist der Bergwald - labile Wälder im Fokus

Unsere Bergwälder sind ein Schatz der Natur. Sie sind Erholungsraum, Biotop und Lieferant des nachwachsenden Rohstoffes Holz zugleich. Darüber hinaus leisten sie einen wichtigen Beitrag zum wirksamen und wirtschaftlichen Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Hochwasser oder Lawinen. Nirgendwo anders sind die Menschen so zwingend auf den Wald angewiesen wie im Gebirge. Doch diese Wälder sind in Gefahr.
Schutz vor Steinschlag
Schutz vor SteinschlagZoombild vorhanden

Schutzwald Foto: Jan Böhm, LWF

Durch Wechsel von Frost- und Tauphasen sowie Erosion lösen sich immer wieder Steine aus den Felswänden. Ohne Bergwald stürzen diese unkontrolliert in Richtung Tal. Ein intakter Bergwald bremst die Steine und beugt Schäden vor. Besonders wichtig ist der Schutzwald über Straßen oder Häusern.

Ausreichend Schutz bieten aber nur dichte Wälder mit ausreichend Bäumen. Wie ein engmaschiges Netz sollten die Bäume die Steine abfangen. Lichte, überalterte Waldbestände mit größeren Löchern oder Freiflächen können diese Aufgabe nicht erfüllen.
Schutz vor Hochwasser
Zwischenspeicher für Regenwasser

Zwischenspeicher für Regenwasser

Übers Jahr regnet es in den BWO Gebieten über 1.500 Liter pro Quadratmeter. Diese Mengen an Regenwasser müssen in den Böden versickern und vorübergehend gespeichert werden. Ohne Zwischenspeicher, droht das Wassers auf der Oberfläche schnell abzufließen. Kleine Bäche verwandeln sich so in kurzer Zeit in reißende Flüsse.

Strukturreiche, gesunde Wälder mit humusreichen Böden speichern Regenwasser wie ein Schwamm. Bei kurzen Starkregenereignissen wird bis zu 95 % des Wassers gespeichert. Planierte Skipisten dagegen speichern nur 15 %. Der überwiegende Teil fließt sofort ab. Ein gesunder Wald ist der beste Hochwasserschutz.
Schutz vor Lawinen und Muren
Schutz vor Erosion oder Abrutschungen

Lawinenschutz

Nicht selten kommt es in steileren Lagen der Alpen zu Lawinen. Gesunde Wälder haben eine rauhe Oberfläche und wirken vorbeugend. Lawinen kommen so gar nicht erst ins Rutschen. Passiert es dann doch einmal oder lösen sich Lawinen von oberhalb der Waldgrenze, dann werden die zerstörerischen Schneemassen von Wäldern aufgehalten oder zumindest gebremst.

Ebenso verhält es sich mit Muren (Erdabrutschungen). Das Wurzelwerk der Bäume festigt den Boden und schützt so vor Erosion oder Abrutschungen.
Ablauf der Bergwaldoffensive

Vorbeugen ist besser als Heilen

Frau sticht ein Pflanzloch ausZoombild vorhanden

© Nan Liu

Die Maßnahmen finden dort statt, wo sie am wichtigsten sind. Projekte werden deshalb in sensiblen Gebieten mit einem hohen Gefährdungspotential durchgeführt. Bekanntlich ist vorbeugen besser als heilen. Ziel ist es daher, mit gezielten Pflegemaßnahmen den Bergwald so zu stärken, dass Sanierungsmaßnahmen gar nicht erst entstehen. Die Teilnahme ist stets freiwillig. Die BWO beschränkt sich auf Privat- und Kommunalwälder.

Eine Auswahl möglicher Maßnahmen

  • Einbringung und Förderung von Mischbaumarten
  • Verjüngung und Pflege der Wälder
  • Gemeinsamer forstlicher Wegebau
  • Schutzwaldsanierung
  • Maßnahmen des Jagdmanagements
  • und vieles mehr …

Gemeinsam geht es leichter: Hand in Hand für gesunde Bergwälder

Besprechung im Regen
Waldbesitzer und örtliche Akteure werden von Anfang an eng in die Projekte eingebunden, um Transparenz und größtmöglichen Erfolg bei der Umsetzung zu erreichen. Fachbehörden, Grundbesitzer, Almwirtschaft, Jäger, Kommunen und Bürger sowie die betroffenen Verbände arbeiten so gemeinsam für den Erhalt des Bergwaldes.